(Melle, Auftritt auf dem Geranien­markt, 16.5.1998 )

Der Meller Madrigalchor sang als erstes das Lied „Entflieh mit mir und sei mein Weib” von Felix Mendelssohn auf einen Text von Heinrich Heine. Es ist enthalten in einem Zyklus von sechs Liedern, die Mendelssohn unter dem Titel „Sechs Lieder, im Freien zu singen” zusammengefasst hat.

In der Romantik haben viele Komponisten Lieder mit Volksliedcharakter geschrieben, sie manchmal sogar ausdrücklich als Volkslied bezeichnet. Wir werden heute noch andere Beispiele für solche volksliedartigen Kunstlieder hören.

Als nächstes singen wir noch eines von den „Sechs Liedern, im Freien zu singen” von Felix Mendelssohn. Es trägt den Titel ,„Im Walde” und beginnt „Ihr Vögel in den Zweigen schwank, wie seid ihr froh und frisch und frank”.

chronik_noten (1K)

Der Meller Madrigalchor ist im Kranz der Meller Chöre noch recht jung. Er wurde vor achtzehn Jahren vom ersten Leiter der Meller Musikschule, Christian de Witt, gegründet, und ist seitdem regelmäßig mit Konzerten an die Öffentlichkeit getreten.

Seit Christian de Witt Melle verlassen hat, hat der Chor verschiedene Chorleiter gehabt, die alle am Osnabrücker Stadttheater tätig waren. Unsere jetzige Leiterin ist Frau Heike Kiefner. Vielen von Ihnen ist sie sicherlich noch als Klavierbegleiterin beim Konzert „Meller helfen Mellern” in Erinnerung.

Der Meller Madrigalchor singt jetzt zwei Lieder von Johannes Brahms. Sie sind stärker noch als die Mendelssohn-Lieder, mit denen wir begonnen haben, im Volkslied-Ton geschrieben. Aber ihre vermeintliche Schlichtheit ist eine wohlberechnete, beinahe raffinierte Schlichtheit, wie sie wirklichen Volksliedern fremd ist. Wir singen als nächstes Lied „Verstohlen geht der Mond auf” von Johannes Brahms.

chronik_noten (1K)

Der Meller Madrigalchor mochte mithelfen, den Chorgesang populär zu machen. Ich benutze deshalb gern die Gelegenheit, für unseren Chor ein bisschen zu werben. Ich kann nur jeden, der gern singt, ermuntern, doch einmal zur Probe bei uns hereinzuschauen. Wir proben jeden Montagabend um acht Uhr im Musiksaal der Realschule Melle. Und ich darf ihnen versichern, dass wir alle Laien sind und auch von Interessenten keine besonderen musikalischen Kenntnisse erwarten. Freude am Singen ist die einzige Vorbedingung. Versuchen Sie es doch einfach mal. Ich wiederhole: Wir proben jeden Montagabend um acht Uhr im Musiksaal der Realschule Melle.

Als zweites Lied von Johannes Brahms singen wir „Erlaube mir, feins Mädchen, in den Garten zu gehn”.

chronik_noten (1K)

Der Meller Madrigalchor ist schon mit vielen großen Konzerten an die Öffentlichkeit getreten. Dazu gehörte das Weihnachtsoratorium von Johann-Sebastian Bach, das Requiem von Wofgang Amadeus Mozart, Judas Makkabäus von Georg Friedrich Händel, eine Messe von Giaccomo Puccini, aber auch Lieder der Romantik wie die Zigeuner-Lieder von Johannes Brahms sowie ein Abend mit Arien und Chören aus bekannten Opern.

Im Augenblick proben wir für unser nächstes Konzert. Am 22. November, dem Totensonntag, wird von uns in der St.-Matthäuskirche in Melle die „Messe in D-Dur” von Antonín Dvořák aufgeführt. Es ist eine Messe voller wunderschöner Melodien, die ein wenig an osteuropäische Kirchengesänge erinnern.

Zum Ende unseres kleinen Auftritts singen wir ein französisches Trinklied aus der Renaissance, „Tourdion”, d.h. „Rundtanz” von Pierre Attaingnant. Der französische Text lässt ein ausgelassenes Gelage erklingen. Tenor und Bass singen „Lasst uns trinken, Freunde, saufen, trinken und fröhlich singen. Während wir dabei einen fetten Schinken verputzen, erklären wir dieser Flasche den Krieg”. Der Alt beginnt „Der gute Wein hat uns fröhlich gemacht, lasst uns singen und unseren Kummer vergessen”. Dazu der Sopran „Wenn ich den hellen Rotwein trinke, mein Freund, dann dreht sich, dreht sich, dreht sich alles, und auch sobald ich (den Wein aus) Anjou oder Arbois trinke”. Dann vereinigen sich beide Frauenstimmen in dem Text „Lasst uns singen und trinken und dieser Flasche den Krieg erklären”.

Was, wenn man es so erklärt, nur ein allgemeines Durcheinander erwarten lässt, entpuppt sich beim Zuhören als eine große harmonische Ausgelassenheit und Weinseligkeit.

≡ MenĂ¼
 
↑ Seitenanfang
↑ Seitenanfang