Bei Gelegenheit

Noch einmal Hochzeit

30.4.2019

Liebe … !

Schon Heinz Erhard wusste, es ist leichter, den Mund zu halten als eine Rede. Ich versuche es trotzdem.

Liebe … , vor dem Gesetz seid Ihr schon seit sieben Jahren verheiratet. Ganz so lange will ich heute nicht reden.

Ich beginne mal mit einem kleinen Gedicht von Hoffmann von Fallersleben;

Wo liebend sich zwei Herzen einen,
Nur eins zu sein in Freud und Leid,
Da muss des Himmels Sonne scheinen
Und heiter lächeln jede Zeit.

Damit ist ja eigentlich schon alles gesagt. Besser jedenfalls als mit Schopenhauer, diesem alten Miesepeter, der behauptete, mit der Hochzeit halbiere man seine Rechte und verdoppele seine Pflichten. Aber Schopenhauer war ja auch nie verheiratet. Obwohl sich Stimmen finden lassen, die in dasselbe Horn tuten. Overheard in Dublin: „How‘s your eldest boy doing, Jimmy?” – „He's getting married. I think he‘s tired of beeing happy.” Oder auch – … , hör gut zu! – das irische Dictum „Never laugh at your wife's choices – you‘re one of them.”

Da halten wir uns doch besser an Hoffmann von Fallersleben. Oder an Goethe, der das zweigeteilte, aber zusammenhängende Blatt des Ginkgo-Baumes als Symbol für die Zusammengehörigkeit zweier Herzen und Seelen beschrieb:

Ginkgoblatt
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?

Punkt. Absatz.

Ein Tag wie heute ist immer auch ein Anlass, zurückzublicken. Vor Jahren – vor vielen Jahren – vor ganz vielen Jahren – wenn die Weihnachtszeit nahte, haben wir uns mit einem Weihnachts­liederbuch in eine Couchecke gedrückt und es von vorn bis hinten durch gesungen. Das wollen wie jetzt zwar nicht wiederholen, aber etwas singen in Erinnerung daran wollen wir schon. Mein Chorleiter, der lange in Brasilien gelebt hat, hat von dort das Lied Cantai ao senhor – Singet dem Herrn – mitgebracht. Die lateinische Version Cantate domino hat inzwischen hunderte, wenn nicht tausende Vertonungen erfahren.Wir haben es bei einem offenen Singen unsern Zuhörern zugemutet, sie haben das gleich bewältigt, also schafft ihr das auch. Ich singe es einmal vor.


Noten
1. Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne, den Klang hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde,
du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
2. Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben
von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst,
du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
3. Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben
von Nähe, die heil macht – wir können dich finden,
du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
4. Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Höhen, die Tiefen hast du mir gegeben.
Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung,
du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
5. Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne den Klang hast du mir gegeben
von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen
du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Viel Zeit ist seit unserem vorweihnachtlichen Singen vergangen. Ich nenne nur die Schlagworte Schulzeit, Studium, Beruf. Ihr habt geheiratet, ihr habt euch in Wolfsburg angesiedelt, ihr habt euch dort ein wundervolles Heim geschaffen. Ein Zitat: „Wenn zwei miteinander in ein und demselben Haus Frieden machen, können sie zum Berg sagen: Beweg dich fort!, und er wird sich fortbewegen” – das sagt das Thomas-Evangelium, das es zwar nicht in den biblischen Kanon geschafft hat, aber doch manche Perle der Weisheit enthält.

Um das Haus wollen wir uns jetzt mal kümmern.

Zuerst das Dach – dann machen wir das Haus zu – euer Haus hat auch einen sehr schönen Kamin – und nun wollen wir mal nachsehen, was alles ein solches Heim braucht, dazu müssen wir es auseinander nehmen &ndash und nun schaut mal, – Ehrlichkeit braucht es und Offenheit im Umgang miteinander, nur aus dieser Ehrlichkeit kann Geborgenheit erwachsen, das schöne Gefühl, dass man sich aufeinander verlassen kann, vor allem auch, weil ihr bereit seit, füreinander Verantwortung zu übernehmen, gleich mehr dazu; dass man sich so beim jeweils anderen gut aufgehoben fühlt, daraus entspringt die Freude, zusammen zu sein und zusammen zu gehören. Echte Wärme aber spendet der Kamin, ich hoffe ihr habt ihn noch nicht weggeworfen – K. B. hat es uns ja vorhin schon vorgelesen

Ich möchte zum Schluss meine Worte von vor sieben Jahren zitieren:

Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, mit guten Ratschlägen zu nerven. Trotzdem kann ich mir nicht verkneifen, Euch zwei Dinge auf den Weg zu geben. Das erste ist, allezeit Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung füreinander aber auch jeder für sich selber. Und das zweite hängt eng damit zusammen, dass nämlich bei aller Gemeinsamkeit jeder doch eine eigene Persönlichkeit ist mit seinen eigenen Gedanken, Ideen, Wünschen und Vorlieben, und dass die Zusammengehörigkeit sich auch gerade darin zeigt, diese zu teilen, gut zu heißen und gelten zu lassen.

Und so bitte ich alle, mit mir ihr Glas zu erheben. Wir wünschen Euch für Euren gemeinsamen Lebensweg alles Gute. Wir wün­schen Euch das Glück eines langen gemeinsamen Lebensweges. Wir wünschen Euch allezeit einen liebevollen Zusammenhalt in – wie ihr es in der Traulithurgie gehört habt – „guten wie in schlechten Zeiten”, und wir wünschen Euch, dass die guten Zeiten bei Weitem überwiegen mögen.

Auf Eure gemeinsame Zukunft!

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