Abschiedsrede


Home Persönl. Mathem. Schule Downl./Li. Sitemap Register Impress. Chor
29.1.2007

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Liebe Eltern!
Liebe Schüler!

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es ist sehr angenehm, wenn einem so viel Lob zuteil wird. Ich möchte mich von ganzem Herzen dafür bedanken. Ich habe das Gefühl, irgendwie schwang in den vielen Reden auch unausgesprochen die Frage mit, wie man es so lange in der Schule aushalten kann.

Ich bin immer ganz gerne hergekommen, und das erleichtert die Sache ungemein. Sie alle – Schüler, Lehrer, Mitarbeiter - haben es mir aber auch wirklich leicht gemacht, gerne herzukommen, und dafür möchte ich mich ebenfalls herzlich bedanken. (Anmerkung in Klammern: Und Sie wissen ja, sogar in die süßeste Speise gehört stets auch eine Prise Salz.)

Ich weiß jetzt schon, dass ich mich sicher manchmal zurückwün­schen werde. Aber ich freue mich doch sehr, dass ich jetzt noch einmal die Möglichkeit habe, Neues anzufangen, wenn ich auch noch nicht so ganz genau weiß, was. Das Kapitel Schule ist jedenfalls erst einmal abgeschlossen.

Im Meller Kreisblatt findet sich täglich unter der Überschrift „Zitat des Tages” ein nachdenkenswerter Spruch. Am letzten Freitag war das von Jonathan Swift der Satz:

„Kein kluger Mensch hat jemals gewünscht, jünger zu sein.”

Oder um es so auszudrücken, wie ich ich es auf der Internet-Seite raus (1K) http://www.seniorentreff.de/ gefunden habe: Zwei Senioren, frisch pensioniert, sitzen auf einer Parkbank. Eine junge Dame geht vorbei. Seufzt der eine: „Man müsste nochmal zwanzig sein!”. Antwortete der andere: „Bist du blöd, dafür nochmal vierzig Jahre für die Rente malochen?”

Wenn auch das Kapitel Schule und Lehrer für mich nun beendet ist, möchte ich Ihnen doch etwas nicht vorenthalten, das ich zu diesem Thema gefunden habe. Ich lese vor:

„Obenan stehen die Schulmeister. Das wäre, weiß der Himmel, eine Klasse von Menschen, wie sie unglücklicher, geplagter, gottverlassener nicht zu denken ist, wüsste ich nicht die Leiden dieses bedauernswerten Standes durch holden Wahn erträglich zu machen. Nicht fünffacher Fluch nur, wie der Grieche sagt, nein hundertfacher lastet auf ihnen: mit ewig knurrendem Magen, in schäbigem Rock sitzen sie in ihrer Schulstube – Schulstube sagte ich? Sorgenhaus sollte ich sagen, besser noch Tretmühle und Folterkammer – inmitten einer Herde Knaben und werden früh alt von Ärger, taub vom Geschrei, schwindsüchtig von Stickluft und Gestank. Doch meine Gnade schafft ...”

Ich sollte erwähnen, dass es sich um das Buch „Lob der Torheit” von Erasmus von Rotterdam handelt. Erasmus war ein Intellektueller, der um 1500 lebte. In seinem Büchlein lässt er die Torheit als Person auftreten und sich selber loben, weil es sonst eh′ keiner tut. Also, die Torheit sagt:

„Doch meine Gnade schafft, dass sie an der Spitze der Menschheit zu stehen glauben. So wohl tut es Ihnen, die ängstliche Schar mit drohender Miene und Stimme einzuschüchtern, mit Rütlein, Stecken und Riemen die armen Opfer abzustrafen und auf jede Art und Weise den Wüterich zu spielen . . .”

Es geht noch eine Weile so weiter. Ich erspare Ihnen das. Aber ein paar Seiten später nimmt er sich noch eine Spezies vor, die er als Gelehrte bezeichnet:

„Sie rühmen sich, allein weise zu sein; alle ande­ren seien flatternde Schemen. Und doch, wie köstlich phantasieren auch sie, wenn sie zahllose Welten bauen, wenn sie Sonne, Mond und Sterne mitsamt den Sphären auf Daumenbreite und Fa­dendicke ausmessen, wenn sie den Blitz, den Wind, die Finsternisse und andere unerklärliche Erscheinungen erklären, ohne zu stocken, als hät­ten sie der Natur beim Weltbau als Geheimschreiber gedient oder noch eben im Rat der Götter gesessen [. . .] Berghoch aber fühlen sie sich über den Laienpöbel erhaben, wenn sie ihre Dreiecke, Vierecke, Kreise und derlei mathematische Figuren eine über die andere legen und zu einem wahren Labyrinth durcheinanderwirren, dann Buchstaben in Schlachtordnung aufmarschieren und alle Augenblicke bald in dieser, bald in jener Kolonne antreten lassen, um damit noch Dümmere zu verblüffen.”

Das soll nun aber wirklich genug sein. Ich wiederhole meinen Dank an alle. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir nach der Konferenz noch ein bisschen Gesellschaft leisten.

© Lothar Melching Letzte Änderung: 25.6.2011 zum Seitenanfang