Abitur 2005


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Liebe Abiturientinnen und Abiturienten!
Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Wir sind heute wieder einmal am wichtigsten Datum unseres Schuljahres angekommen, dem höchsten Fest, das unser Jahreskreis zu bieten hat, neben dem auch die von uns allen als so deutlicher Einschnitt wahrgenommene Versetzungsmühle nur eine Art innere Vorbereitung, ein Erhöhungs- und Reinigungsritual darstellt.

Was andernorts Bilanz und Jahresabschluss bedeuten, oder Weihnachten oder die olym­pischen Spiele, das ist für das Gymnasium die Reifeprüfung. Und die haben Sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, glänzend – manchmal vielleicht auch etwas blasser glänzend – bestanden.

Sie verlassen nun das Gymnasium. Und es ist schön, dass dieses einschneidende Ereignis über den engen Kreis unserer Schule hinaus gewürdigt wird. Deshalb freuen wir uns, dass wir heute so viele Gäste begüßen können, die alle Ihretwegen erschienen sind.

[…]

Und ich begrüße Sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten. Für Sie sind wir heute zusammengekommen, Sie sind die Hauptpersonen, um Sie dreht sich heute alles.

Sie können sich darauf etwas zugute halten im Jahr 2005, das weltweit zum Einstein-Jahr proklamiert worden ist, Ihr Abitur gemacht zu haben. Ich habe mit Freude bemerkt, dass Sie auch in Ihrer Abi-Zeitung darauf eingegangen sind.

Das Jahr 1905, das nun genau 100 Jahre zurückliegt, ist weder das Geburts- noch das Todesjahr Albert Einsteins. „In jenem Jahr – Picasso steckte mitten in der rosa Periode, von Heinrich Mann erscheint Professor Unrat und die österreichische Pazifistin Berta Suttner erhält den Friedensnobelpreis” [1] – ereignet sich etwas, das später als annus mirabilis, als erstaunliches, wunderbares, oder besser noch wundervolles Jahr in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen ist.

„In jenem Jahr erschienen vier Publikationen, deren jede, wie man heute sagt, nobelpreis­würdig ist: die spezielle Relativitätstheorie, die Lichtquantenhypothese, die Bestätigung des molekularen Aufbaus der Materie durch die Brownsche Bewegung, die quantentheoretische Erklärung der spezifischen Wärme fester Körper.” [2]

Was ich Ihnen aber von Albert Einstein mitgeben möchte, ist seine Antwort auf die Frage, was ihm am meisten Freude bereite:

„Das Denken um seiner selbst willen ist wie Musik! Wenn ich kein Problem zum Nachden­ken habe, dann leite ich mit Vorliebe mathema­tische und physikalische Gesetze wieder ab, die mir längst bekannt sind. Hier ist also gar kein Ziel da, sondern nur eine Gelegenheit, sich der angenehmen Tätigkeit des Denkens hin­zugeben.” [3]

Ich wünsche Ihnen, bei allen auch in Zukunft unvermeidlichen Höhen und Tiefen, für Ihren weiteren Lebens­weg alles erdenkliche Gute, viel Erfolg und hin und wieder auch die Muße, sich der angenehmen Tätigkeit des Denkens hinzugeben – es müssen ja nicht unbedingt mathematische Gesetze sein.


[1], [3] Fischer, Ernst Peter, Einstein & Co., München: Piper, 19972, ISBN 3-492-22491-1, S. 126 (zweimal)
[2] Weizsäcker, Carl Friedrich von, Große Physiker, Wiebaden: Marix, 2004, ISBN 3-937715-46-0, S. 256
© Lothar Melching Letzte Änderung: 25.6.2011 zum Seitenanfang